Aktuelles

Zeitzeugenbefragung im Unterricht

Gabriele Oppenheimer zu Gast in der Gerbersruh-Gemeinschaftsschule

Am 11.Januar besuchte Frau Gabriele Oppenheimer, die Nichte von Hans Oppenheimer, die 10. Klassen der Gerbersruhschule. Sie engagiert sich, indem sie die Geschichte ihrer nach Gurs deportierten Großeltern und Angehörigen an Schulen der jungen Generation näher bringt.

Zunächst berichtete Gabriele Oppenheimer über ihre eigene Biographie und so erfuhren die Schüler, dass sie in Wiesloch geboren wurde und hier seit 65 Jahren hier lebt. Interessant war es zu erfahren, dass Frau Oppenheimer ebenfalls die Gerbersruhschule von der 1.-4. Klasse besucht hatte. Eine spannende Begegnung mit der Geschichte.

Im Rahmen der Gedenkstunde zur Reichsprogromnacht am 9. November im Wieslocher Rathaus beteiligten sich die Wieslocher weiterführenden Schulen mit verschiedenen Beiträgen.

Die Klassen 10a und 10b der Gemeinschaftsschule verlasen die Namen der Deportierten aus Wiesloch und Umgebung. Am Ende der Veranstaltung kam eine Frau auf die Schüler zu und stellte sich mit den Worten vor: „Ich bin Gabriele Oppenheimer. Hans Oppenheimer war mein Onkel“. Sie überreichte der Klasse eine reich bebilderte Gedenkschrift mit dem Titel: Oppenheimer – eine Heidelberger Familie vor dem Holocaust und bot an, die Klasse in der Schule zu besuchen, um die Geschichte von ihren deportierten Großeltern und dem Onkel, welche auch mit der Stadt Wiesloch eng verbunden waren, den Schülerinnen und Schülern näherzubringen.

In der Geschichtswissenschaft wird eine solche Methode als Oral History bezeichnet und meint damit das „Sprechenlassen“ von Zeitzeugen. Auch wenn Frau Oppenheimer diese Zeit nicht selbst erlebt hat, so konnte sie die Erzählungen ihrer Großmutter und ihres Vaters doch genau wiedergeben und erzählte den Schülerinnen und Schülern sehr ergreifend die Lebensgeschichte von Hans und Max, sowie deren Eltern Leopold und Rositta Oppenheimer.

Die Klassen 10a und 10b hatten sich bereits ausführlich mit dem Schicksal der oben Genannten beschäftigt und waren sehr gespannt auf diese Veranstaltung, welche am Freitag, den 11. Januar in der 5. und 6. Stunde im Ganztagesraum stattfand.

Zunächst berichtete Gabriele Oppenheimer über ihre eigene Biographie und so erfuhren die Schüler, dass sie in Wiesloch geboren wurde und hier seit 65 Jahren lebt. Interessant war es zu erfahren, dass Frau Oppenheimer ebenfalls die Gerbersruhschule von der 1.-4. Klasse besucht hatte. Nach ihrer Schulzeit erlernte sie den Beruf der Medizinisch-technischen Assistentin und arbeitet seitdem im Heidelberger Universitätsklinikum. Zudem ist sie seit 1984 Personalratsvorsitzende.

„Meine Großmutter kam 1946 aus Frankreich aus der Deportation zurück und suchte ihren Mann und ihren Sohn. Sie erfuhr, dass Leopold 1943 in Majdanek und Hans im März 1945 in Buchenwald ermordet wurden.“ Mit diesen Worten begann Gabriele Oppenheimer ihre Erzählung vor 35 Schülern und 3 Lehrkräften. „Kümmer dich um den Koffer“, hatte ihr Vater Max Oppenheimer ihr auf dem Sterbebett 1974 aufgetragen und diesen letzten Wunsch erfüllte sie ihrem Vater dann. In diesem besagten alten Reisekoffer, welcher auf dem Dachboden abgestellt war, befand sich die komplette Korrespondenz zwischen den Eltern und Hans Oppenheimer.

150 Briefe von Hans aus dem Lager Camp de Gurs in Frankreich an seine Eltern in Heidelberg und 150 Briefe der Eltern, beziehungsweise der Mutter an Hans. Des weiteren beinhaltete der Koffer die Fotoalben von Hans Oppenheimer aus seiner Jugendzeit in Heidelberg und eine Familienchronik der Oppenheimers. Diese nahm Hans bei seiner Deportation von Heidelberg nach Frankreich am 22. Oktober 1940 mit. Es ist kaum nachvollziehbar, welch große Bedeutung diese Dinge für den damals 19-jährigen hatten und welche Kraft sie ihm gaben. Noch vor kurzem hatte er das KFG in Heidelberg besucht und war Mitglied der Hockeymannschaft gewesen. Unter dem Motto: „Juden raus – raus aus der Schule, raus aus dem Beruf“ wurden die Deutschen jüdischen Glaubens systematisch ausgegrenzt und schließlich deportiert.

Schon im Jahr 1938 kam es zur ersten Verhaftung. Am 10. November wurden Hans, der 2 Jahre ältere Bruder Max und Vater Leopold Oppenheimer verhaftet und nach Bruchsal gebracht. Leopold durfte als ehemaliger Offizier und Träger des Eisernen Kreuzes und des Verwundeten Abzeichens, gemeinsam mit dem damals erst 17-jährigen Hans wieder nach Hause. Bruder Max wurde mit dem sogenannten Judenexpress nach Dachau verschleppt und dort 4 Wochen inhaftiert. Hier bekam er die brutale Unterdrückungsmaschine der Nazis zu spüren und sprach nie wieder über Dachau. Er wurde gezwungen, innerhalb von 6 Wochen Deutschland zu verlassen und konnte mit Hilfe von Freunden und Verwanden über die Schweiz nach England emigrieren.

Da die Schüler erst kurz zuvor das KZ Dachau besucht hatten, konnten sie sich in Max Situation hineinversetzen.

Im August 1942 wurden die meisten Juden aus Frankreich in die Vernichtungslager in Osteuropa geschickt. Hans kam nach Auschwitz. Seine Fotoalben und die Briefe der Mutter ließ er in Frankreich bei einem Bauern, der diese aufbewahrte und bei dem sie von Mutter Rositta im April 1946 abgeholt wurden. Hans überlebte Auschwitz und nahm an einem der berüchtigten Todesmärsche nach Buchenwald teil, wo er am 17. März 1945 starb.

Überrascht waren die Schüler von der Tatsache, dass Max und Rositta Oppenheimer ohne Hass nach Deutschland zurückkehrten und sich hier für Verständigung engagierten.

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